Post von der Pressestelle. Und ein Antwortschreiben. Betrifft: Tarpenbek

Der Himmel über Langenhorn. Heute.

Ich habe am frühen Abend eine mail von der Pressestelle bekommen. Die stell ich hier jetzt nicht rein, wenn Sie das wollen, dann geben Sie Bescheid. Sie ist nicht sonderlich interessant, auch nicht sehr humorvoll, und den Inhalt können Sie ohnehin meinem Antwortschreiben entnehmen. Das habe ich soeben fertig und stell es Ihnen hier ein. Später versende ich es, ich will nochmal lektorieren. Paar Kommas hier, paar Tippfehler da…Soweit ich dazu um diese Zeit noch fähig bin. Ich wünsch uns allen eine Gute Nacht.

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Frau Müller und die vorzügliche Behandlung.

Auf dem Wege zur Tarpenbek.

Mein Morgen war, für einen Wochenanfang, gar nicht mal so schlecht und einigermaßen kurzweilig. Es wird Sie nicht weiter wundern, daß ich Ihnen noch nichts “substanzielles” mitteilen kann. Zunächst versuche ich ja immernoch zu verdeutlichen, daß ich keine Journalistin bin, sondern eine bloggende Bürgerin. Nun sieht man das im Bezirksamt wohl so: ich “veröffentliche”, also bin ich. Und deshalb spricht nicht der Sachbearbeiter oder federführend Verantwortliche mit mir – sondern die Pressestelle sei zuständig. Sowas nennt man im Rechtswesen eine “Fiktion”. Beispiel:
Schwimmordnung (…)
§ 8 Mittwoch ist Frauenbadetag. Der Aufenthalt ist nur Frauen gestattet.
§ 9 Der Bademeister ist eine Frau im Sinne dieser Verordnung.

Auf unseren Fall bezogen bin ich, nach Auffassung (auch) des Pressesprechers, wie eine Journalistin zu behandeln, auch wenn ich keine bin, und zwar, weil ich “veröffentliche”.
Ein “normaler” Bürger macht so etwas nicht.
Dagegen steht meine Auffassung: Ein “normaler” Bürger teilt ebenfalls die Informationen, die er über einen Vorgang hat, wenn sie auch andere betreffen. Beispiel: Auf der Strasse gibt es eine Baustelle, keiner weiß warum. Einer ruft beim Amt an, erfährt es und informiert die Nachbarn. Der Unterschied liegt hier einzig darin, dass eine große Anzahl von Nachbarn mitbetroffen ist und ich nicht mit jedem über den Gartenzaun reden kann. Deshalb bediene ich mich eines “modernen” Kommunikationsmittels: meines Blogs. Ich versuche von einer Behörde Informationen zu bekommen und dieses Wissen gebe ich weiter. Ich bin eine Bürgerin wie jede andere auch, ich schreibe ein Internet-Tagebuch über meinen Alltag, meine Arbeit und mein Leben in Langenhorn. Ich bin die, die immer wieder gewünscht wird: Eine mündige Bürgerin. Nicht mehr, aber auch nicht weniger. Und als solche möchte ich von den mir zustehenden Informationsrechten Gebrauch machen.

Moinsen. Es ist Montag, der 4. Mai 2020

Gestern.

Moin. Die Sonne scheint, Himmel blau, windstill, es regnet nicht, Autoscheiben nass. Eine weitere Woche voller C-Days hat begonnen, wir sind alle in Zurückhaltung geübt und freuen uns deshalb auch weiter des Lebens. Der Mai blüht in verschwenderischer Fülle und vertreibt auch das Grau trüber Gedanken. Kaffee steht auf dem Tisch, Zeitung müssen sie sich selbst holen, als ich in den Kasten geschaut hab, war noch keine da. Ich wünsche Ihnen einen leichten Start in eine gute Woche, ich selbst habe, wie Sie wissen, heut morgen zu tun. Grüße gehen heute an drei neue Leser in New York, nach Scottsdale, Montfermeil und Leopoldshöhe.
Ich war noch schnell zum Kiosk. Hier die Zeitung, damit ihrem gemütlichen Frühstück nichts im Wege steht.
Übrigens: Es nutzt überhaupt nichts, wenn Politiker “auf die Zinne” gehen, die Hände in den Hosentaschen, und die Aussicht beklagen. Sie machen sich damit nur noch lächerlicher. Von unten kommt für die Schaffung unbezahlbaren Wohnraums kein Jubel. Wie wäre es denn mal mit Ärmel aufkrempeln, und die “Investoren” zurück auf den Boden zu holen? Wenn das so weitergeht, können “Politiker” gleich ganz auf der Zinne bleiben und ihre eigene Mut- und Tatenlosigkeit täglich neu wütend beklagen…

Von den Feinden der Demokratie und den wahren Gegnern des gesellschaftlichen Zusammenhaltes.

Sonntag.

Ich schrieb es gleich zu Beginn dieser Krise und ich schrieb es auch dem Bundespräsidenten: Es ist nun an der Zeit, wieder Gerechtigkeit zu üben gegen Jedermann. Und deshalb ist unverzüglich strikt jenen Einhalt zu gebieten, die treibende Kräfte und Profiteure einer unheilvollen Entwicklung waren, höchste Zeit, sie in die Verantwortung zu nehmen und entschlossen zu verhindern, daß aus dieser Krise von ihnen weiterer Profit gezogen wird. Ich möchte sie heute auf diesen Artikel des Manager-Magazins aufmerksam machen, einem Magazin, daß man beim allerbesten Willen nicht als “linksversifft und ideologisch verblendetes Propagandablättchen” abtuen kann.

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Moinsen, Sonntag, der 3. Mai 2020

Bald…

Moin. Himmel grau, ein wenig nass vom Regen in der Nacht, ein seltsam stiller Morgen. Auch die Vögel singen nicht. Vielleicht kommt mir die Stille auch deshalb so laut vor, weil die letzte Woche wieder so laut war. Wie früher. 6 Wochen nur, in der Ruhe und Besonnenheit herrschten… Ich werde weiter so vorsichtig und zurückhaltend sein, wie bisher. Ich freue mich am Leben und über jeden der kleinen, vorsichtigen Schritte, der gelingt. Die 7- Meilen.- Stiefel, die man mir nun “von interessierter Seite” gratis reichen will, die mich, Schritt für Schritt, näher an den Abgrund tragen würden, die zieh ich mir nicht an…Keine Zeitung heute, kein Kaffee, aber Grüße. Nach: Geesthacht, Bad Harzburg und Bad Langensalza, Neversdorf und Mountain View, Lyon, Nouex-les-Mines, Krempe, Hanover, Sao Paolo, Goslar und Berlin. Ich wünsche Ihnen einen ruhigen Geist, ein Herz voller Liebe und einen schönen Sonntag.

Seelenhygienische Maßnahmen.

Robbie will weg…

Soweit ist es schon gekommen: Robbie hat seinen Koffer gepackt! Er will weg. Ich versuche ihm das jetzt schon eine ganze Weile auszureden, vorerst haben wir uns darauf geeinigt, daß er ins Gästezimmer zieht. Die Sache war ja so, daß die Anderen ihn beim beim letzten Zusammentreffen ausgelacht haben. Hier, Sie erinnern sich? Ich habe den Ernst der Lage völlig verkannt. Ich war so mit Tünnes und Schäl und der Tarpenbek beschäftigt, daß mir gar nicht aufgefallen war, dass Robbie mit den Hygienemaßnahmen in der Dachkammer unzufrieden ist. Klar, er hatte sich eine Maske besorgt, aber ich hielt das für eines seiner Späßchen…

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Moinsen. Samstag, der 2. Mai 2020

Müllers Nussbude. Frühstück.

Mor…gähn. Trüb, regnerisch, windig, viel Regen im Anflug, so sagen die Wetterfrösche. Mir soll es Recht sein, die Natur braucht Wasser. Die Langenhorner Rundschau liegt auf dem Küchentisch, (Seite 6, unsere Tarpenbek) Kanne Tee steht dabei. Einen Espresso hab ich auch mal hingestellt, für den Fall, daß Sie so müde sind wie ich. Heute ist Markttag. Ich muss erst mal sehen, wie ich mich wach bekomme. Ich glaub, ich hab mich blöd geschlafen. Da hilft nur… noch ein Espresso…

update. Heute wäre der “Weltfischbrötchentag” gewesen. Fällt aus wegen C. Aber Sie können sich ja trotzdem ein Brötchen belegen. Machen Sie für mich dann bitte eins mit. Krabben oder Lachsersatz 😉 (Danke für den Hinweis, meine Lütte)

Genug für heute. Feiertagsarbeit ist … na ? Was?

Heute auf meinem Schreibtisch.

Sie sind jetzt auf dem Stand der Dinge. Und der ist so, daß von den Verantwortlichen für die Wege-Sperrung niemand mit mir reden will. Man verweist mich an einen “Pressesprecher“, trotz meines Hinweises, daß ich eine Bürgerin bin und mich mit einem Auskunftsersuchen zu Recht an die zuständige Fachabteilung gewendet habe. Natürlich ahne ich, warum man das nur allzugern so handhaben möchte. Und ich bin damit nicht einverstanden. Doch das werde ich Ihnen heute nicht mehr darlegen könne. Ich stehe mit den Hühnern auf und bin jetzt müde. Morgen. Morgen ist auch noch ein Tag. Für heute verabschiede ich mich von Ihnen. Nicht ohne Grüße an Neuhinzulesende aus Thür/Eifel zu senden. Auch da kämpfen Bürger für sich, wie ich auf meiner Internet-Weltreise gesehen haben. Die wollen nämlich in ihrer Heimat begraben werden können – und gehen dafür ganz ungewöhnliche Wege. Ich wünsche Ihnen einen noch einen sehr angenehmen Abend. Und bedanke mich von Herzen für Ihren großen Zuspruch. Alles wird gut! Wenn wir es wollen…