Mittwoch, 22. April 2020, Tag der Erde

Die Letzten ihrer Art.

Sonnig, weiter zu trocken, die Einzige, die für einen kurzen Moment aufatmen kann, ist die Erde. Wohl nicht mehr lange, die “Arbeit” am “weiter so” läuft auf Hochtouren. Ich hatte mal Hoffnung für uns alle. Sie schwindet mit jedem Tag. Das liegt nicht an jenen, die ihre “Produktion hochfahren” wollen, von ihnen habe ich nichts anderes erwartet.
Auf dem Schreibtisch liegt wieder ein Tagebuch aus Papier. Und mein Federhalter…
Moin. Die Antwort auf meine Fragen liegt längst auf dem Tisch. Ich kann sie schon sehen, will sie aber (noch) nicht wahrhaben. Noch ein, zwei Tage in der Natur, dann werde ich sie ertragen können…

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Moin. 21. April 2020. Dienstag.

Kreidezeichnung auf Beton. Unbekannte Künstler*in. Masen.

Ich weiß immer noch nicht, wann ich zurückkehren werde, an diesen Schreibtisch, um dieses Tagebuch fortzusetzen. Ob überhaupt. Ich hoffe, daß die Antwort auf diese Frage mich findet. Ich jedenfalls kann sie nicht finden… Man sieht sich… Irgendwann. Irgendwo.

Fast vergessen: Die Zeitung In Hamburg, wenn Menschen demonstrativ auf die Verhältnisse in den Lagern in Griechenland aufmerksam machen wollen, dann wird auf strikte Einhaltung von Regeln geachtet. Und in Berlin findet das statt? Das ist unfassbar!

Und dann noch eine kleine Denksportaufgabe. Kombinieren üben.

Genug für heute. Nur für heute?

Ich mag heute nicht mehr schreiben. Es ist wieder sehr spät geworden und ich bin mir am Ende dieses Tages auch nicht klar darüber, was die Veränderungen, die die letzten Wochen in mir hervorgerufen haben, bedeuten. Ob sie für mein Leben eine größere Bedeutung haben, als ich zur Zeit absehen kann. Da ist vieles, über das ich mir klarer werden muss, als ich es zur Zeit bin. Morgen werde ich mir deshalb wieder eine Auszeit nehmen, kann sein, dass sie dieses Mal länger dauert, kann auch sein, das ich mich gar nicht mehr an diesen Tisch setze, an diese Tastatur. Ehrlich, ich hab wirklich keine Ahnung, ob und wie es hier weitergeht. Ich muss das erst herausfinden. Ich weiß, daß ich in meinem Garten arbeiten will, daß ich nur dort alles bedenken kann, daß ich mich dort besser fühlen werde, als an dieser Tastatur.
Ich hätte schon heute hinausgehen sollen…Schlafen Sie wohl. Und hören Sie der Nachtigall zu, wenn sie singt…

Erinnerungen an Hugo Scheiermann. Navigare necesse est. Zitate.

Der Freund, den ich damals in seinem Leben und Sterben begleitete war Hugo Scheiermann. Er, der überzeugte Sozialdemokrat, trat nach 50 Jahren Mitgliedschaft, schweren Herzens, aus der SPD aus, als Schröder das “Bündnis für Arbeit” “gründete”.
“Wenn ich das schon höre” hatte er gesagt, ” dann weiß ich genug. Bündnis, dass ich nicht lache. Mit dem Kapital kann man keine Bündnisse schließen. Die Interessen des Kapitals sind nie die Interessen der Arbeiter gewesen und werden es nie sein. Mit denen ist kein Bündnis zu schließen.” Recht hatte er. Schröder war und blieb ” Der Genosse der Bosse.”
Er, der 70 Jahre lang Gewerkschafter war, sagte zu einem Verdi-Geschäftsführer : “Geschäftsführer der Gewerkschaft bist Du ? Wenn ich das schon höre, so ein Unfug. Eine Gewerkschaft hat keinen Geschäftsführer, denn sie treibt keine Geschäfte. Eine Gewerkschaft hat Sekretäre. Und die schreiben auf, was die Gewerkschaften wollen.
Und allein deren Interessen hast Du zu vertreten.Sonst keine.” …

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Hamburg. Das Tor zur Welt. Für jeden?

Freie Dachkammer Langenhorn. Heute. Von außen betrachtet.

Ich war damals also umgezogen, nach Hamburg. Ich, die ihre Heimat und die Menschen die dort lebten, so sehr liebte, dass ich sie nie wieder verlassen hatte wollen, wollte nur noch weg, wollte “hinter den Deich”, wollte runter von der stürmischen See. Ich suchte einen Frieden, den ich im Pott nicht mehr finden konnte…Ich hatte zwei Menschen, die mir sehr am Herzen lagen, in ihrem Sterben begleitet und hatte dabei tiefe Einblicke in unser “Gesundheitssystem” bekommen, war in tiefster Seele erschüttert über die Erfahrungen, die ich damit gemacht hatte…

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Das humoristische Gymnasium zu Kleve.

Enso 1

Ich war also wieder mittendrin. Wo ich doch hatte aufhören wollen damit, Steine zu kloppen, um an einer Plastik zu arbeiten, die unsichtbar war. Ich hatte doch nur noch schöne Geschichten schreiben wollen, phantastische Geschichten oder Geschichten für Kinder, alles alles, aber keine Gesellschaftskritik mehr, keine Politik, wollte nicht mehr bewegt sein von der Welt und auch nichts mehr in ihr bewegen. Ich wollte im Garten arbeiten, allein, schweigend, von Sonnenaufgang bis Sonnenuntergang. Ein Bier zum Feierabend. Und Nachts wollte ich tief und traumlos schlafen. Das war es, was ich wollte. Dann kam Corona und setzte meinem schönen Plan eines niegelnagel neuen Lebens, voller guter Vorsätze, die Krone aus Pappmaschee und ne Maske aus Baumwolle auf. Nee, so hatte ich mir das wirklich nicht vorgestellt. Und ich? Ich hatte, von mir selber unbemerkt, den Anker gelichtet, die Segel gehisst, war hinaus auf die offene See. Ich, die von einem Leben hinter dem Deich geträumt hatte, hatte sich eingeschifft und wieder Kurs auf Neuland genommen, lebte schon wieder mein altes, vertrautes und so unruhiges Freibeuterleben…
Davon nachher mehr, jetzt gibt es für mich erstmal ein spätes Frühstück. Und für Sie ein Frühstücksgespräch.

Mimi mit der Turbomaus. Unverhofft kommt oft.

Den roten Mohn kennen Sie ja schon, heute mal eine andere Rarität: Tibetmohn.

Das ist für mich grad nicht wie Ostern, sondern wie Weihnachten. Ich bin happy ! Gerade hab ich ein Paket ausgepackt, das für den 14.4. angekündigt war, aber unverhofft heute kam. Ich hab eine unbändige Freude! Sie ahnen ja nicht, wie ich mich in der letzten Woche hier mit meiner alten Maus abgequält habe. Meine verzweifelten Aufschreie, die kriegen Sie ja gar nicht mit. Kater Paul hat die Dachkammer schon seit Tagen gemieden und kam erst , wenn ich im Bette lag. Und auch an der Tastatur klemmten einige Tasten…

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Karfreitag 2020 .

Guten Morgen. Jetzt ist er da, der Karfreitag, der unweigerlich dem Osterfest vorausgeht. Man kann ihn nicht auslassen, er ist nicht zu umgehen. Ohne den Tod des Mannes, der vor rund 2000 Jahren grausam hingerichtet wurde, gäbe es das christliche Osterfest nicht. Ohne diesen Tod kein Versprechen auf ewiges Leben, ohne ihn keine Erlösung, keine Vergebung. Ganz egal, ob Sie ein gläubiger Mensch sind oder nicht, ob Sie annehmen oder nicht, daß dieser Mensch je gelebt hat – Sie werden zugeben müssen, daß die Geschichte, von der man sagt, daß sie die Seine ist, einem Jeden zu denken geben kann, daß sie rätselhaft ist, von ihrem Anfang bis zu ihrem Ende. Eine Geschichte, die viele Fragen aufwirft. Damals. Heute. In all der Zeit dazwischen….

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