
Ich hätte schon lang etwas zur Veränderung der Sprache schreiben sollen, hatte aber nie so richtig Lust dazu. Ich schrieb lieber schöne Geschichten, als Sprache zu analysieren. Daran hat sich lang nichts geändert. Seitdem ich jedoch hier schreibe, stolpere ich andauernd über herumliegende Gendersternchen. Es fing damit an, daß ich über meinen Beruf schrieb. Da ist es klar, daß ich für mich das Wort “Schriftstellerin” als meine Berufsbezeichnung nutzte. Als ich es tippen wollte, weigerte sich mein Finger ganz hartnäckig “automatisch” die Taste mit dem Sternchen zu drücken. Dazu befragt, meinte der schlimme Finger, es ginge in diesem Satze, den zu schreiben ich mich angeschickt hätte, doch zweifelsohne um mich. Und das wäre doch nun ganz und gar persönlich, beträfe mich also ganz allein und mein Geschlecht seie mir doch völlig klar und deshalb eindeutig zu bezeichnen, nämlich ohne *. Das schien mir logisch und die Sache war erstmal erledigt. Geblieben war die Frage meiner gesamten Hand, ob es für solche Fälle wohl Regeln gäbe, also eine Art “Gendergrammatik”, mit der man sich solche Fragen beantworten könne. Irgendwann, wenn ich mal ganz ausgesprochen große Langeweile und sonst nichts zu tun hätte, könnte ich mich ja drum kümmern. Bis dahin würde ich ein paar Sternchen hier und da einstreuen, aus Höflichkeit sozusagen. Ich bin gerne höflich. Und dann ist gestern, zum wiederholten Male, etwas passiert, zu dem ich schreiben will. Weil ich muss. Es geht offenbar nicht anders, denn nun werden meine Grenzen so deutlich verletzt, daß ich das nicht mehr schweigend hinnehmen kann. Ich gestatte mir also, mal wieder, ein paar deutliche Worte.
„Genug ist genug. Das Gender*sternchen und ich. Singe, wem Gesang gegeben.“ weiterlesen







