Moin. Donnerstag, der 9. Juli 2020

Am Wegesrand. Botanische Gärten Langenhorn.

Moinsen. Es regnet mal wieder, was allen Pflanzen gut tut, 13 Grad, Himmel grau. Es gibt immer noch nichts Neues, was ich Ihnen erzählen könnte – aber ich warte drauf…Die Johannisbeeren sind reif, die Ernte lässt sich nicht weiter aufschieben, Regen hin oder her. Ihnen wünsche ich erstmal einen Guten Tag. Wir werden sehen, was er uns bringt…
Der Garten Kunterbunt, den ich Ihnen gestern ans Herz gelegt habe, beschäftigt mich auch heute. Wichtig ist mir, zunächst einmal auf diesen Zeitungsartikel einzugehen. Wenn man ihn liest, dann könnte man den Eindruck gewinnen, als hätte das Bezirksamt Jahr für Jahr tief in die Tasche gegriffen, und Frau Lehmann stetig sehr großzügig unterstützt. Diesem Eindruck, der da erweckt wurde, ob bewußt oder unbewußt, möchte ich heute entgegentreten …

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Was da noch kommt …

Zeitenwende. Die alten Wege gehen. Sich begleiten, sich aufgehoben fühlen. Das Leben lieben, in jedem Augenblick. Auch allein. Auch jetzt. Gerade jetzt. Und immer.
An eine Geschichte denken, die Rose mir erzählt hat. Wie das damals war, als alle gegangen waren, ihre Eltern, und dann auch Lotte, ihre engste Freundin aus Jugendtagen, eine lebenslange Freundin und Gefährtin, die Rosemarie, am Ende des gemeinsamen Weges, gepflegt hatte, und mit der sie einst schon an der Tarpenbek spazieren ging….

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Was fragst du viel! Du hast in diesem Bach …

Von unseren Wegen. Und Gärten.

Was fragst du viel! Du hast in diesem Bach
des Lebens selber eingeschränktes Bild.
Des Werdens-Stromes Brausen hörst du nicht,
der Bach, der kleine, findet erst dein Ohr;
und lag die Welt dir gestern starr und still,
so redet sie dir heut aus seinem Mund
von ihres Flusses nimmermüder Flucht,
so hat sich die wagrechte Ebene,
die sie dich gestern dünkte, heut geneigt –
und rauschend reisst der Stunden Fall dich mit.

Christian Morgenstern

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Das Herz hat auch sein Ostern …

Als wir im Arboretum Ellerhoop waren …

Wenn einer starb, den du geliebt hienieden,
So trag hinaus zur Einsamkeit dein Wehe,
Dass ernst und still es sich mit dir ergehe
Im Wald, am Meer, auf Steigen längst gemieden.

Da fühlst du bald, dass jener, der geschieden,
Lebendig dir im Herzen auferstehe;
In Luft und Schatten spürst du seine Nähe,
Und aus den Tränen blüht ein tiefer Frieden.

Ja, schöner muss der Tote dich begleiten,
Ums Haupt der Schmerzverklärung lichten Schein,
Und treuer – denn du hast ihn alle Zeiten.

Das Herz auch hat sein Ostern, wo der Stein
Vom Grabe springt, dem wir den Staub nur weihten;
Und was du ewig liebst, ist ewig dein.

Emanuel Geibel

Gingo Biloba

Dieses Baumes Blatt, der von Osten
Meinem Garten anvertraut,
Gibt geheimen Sinn zu kosten,
Wie’s den Wissenden erbaut.

Ist es ein lebendig Wesen,
Das sich in sich selbst getrennt?
Sind es zwei, die sich erlesen,
Dass man sie als eines kennt?

Solche Fragen zu erwidern
Fand ich wohl den rechten Sinn.
Fühlst du nicht an meinen Liedern,
Dass ich eins und doppelt bin ?

(Johann Wolfgang von Goethe, 1815, Gingo biloba)