Moin. Donnerstag, der 9. Juli 2020

Am Wegesrand. Botanische Gärten Langenhorn.

Moinsen. Es regnet mal wieder, was allen Pflanzen gut tut, 13 Grad, Himmel grau. Es gibt immer noch nichts Neues, was ich Ihnen erzählen könnte – aber ich warte drauf…Die Johannisbeeren sind reif, die Ernte lässt sich nicht weiter aufschieben, Regen hin oder her. Ihnen wünsche ich erstmal einen Guten Tag. Wir werden sehen, was er uns bringt…
Der Garten Kunterbunt, den ich Ihnen gestern ans Herz gelegt habe, beschäftigt mich auch heute. Wichtig ist mir, zunächst einmal auf diesen Zeitungsartikel einzugehen. Wenn man ihn liest, dann könnte man den Eindruck gewinnen, als hätte das Bezirksamt Jahr für Jahr tief in die Tasche gegriffen, und Frau Lehmann stetig sehr großzügig unterstützt. Diesem Eindruck, der da erweckt wurde, ob bewußt oder unbewußt, möchte ich heute entgegentreten …

Nach meinen bisherigen Feststellungen bekam sie im Jahre 2013 erstmalig 500 Euro, in 2015, also 2 Jahre später 300 Euro und in 2018 700 Euro. Das sind insgesamt 1500 Euro Zuschuss für die 17 Jahre, in denen sie diesen Garten pflegt und bearbeitet. Solche Zuschüsse müssen auch abgerechnet werden, eine Zweckentfremdung ist nicht möglich. Der Bürgerpreis, den Frau Lehmann 2017 erhielt, war zu jenem Zeitpunkt noch nicht dotiert, so entnehme ich es jedenfalls den Drucksachen, die ich dazu gefunden habe. Erst 2018 wurde der Ehrung ein zweckgebundener Geldpreis hinzugefügt, die jetzigen Empfänger dürfen sich darüber freuen, Frau Lehmann nicht. 17 lange Jahre gibt es nun diesen Garten und schon gleich zu Anfang musste Frau Lehmann darum kämpfen, man warf ihr damals “Verkleingärtnerei” vor. Heute nennen die Grünen den gleichen Akt “Urban Gardening”, verweisen mit stolz geschwellter Brust auf “grüne Paten” – und lehnen den Antrag von Frau Lehmann, der “Pionierin”, dreist, und unter tätiger Mithilfe des dortigen Koalitionspartners CDU, ab.
17 Jahre Natur und Freude, 17 Jahre Gemeinschaft und Sinnstiftung, für nicht mal 100 Euro im Jahr ! Dass muss dann aber jetzt auch mal reichen…? Welch eine Anmaßung!
Sie können all das im Internet problemlos auffinden und selbst nachlesen…
Allein sich nun hinzustellen und den Eindruck zu erwecken, als habe man Frau Lehmann jahrelang großzügigst gefördert, müsse nun aber wirklich auch mal Schluß machen damit, aus Gerechtigkeitsgründen – das ist mehr als nur eine Frechheit. Es würdigt, in einer für mich unerträglichen Art und Weise, das Geschenk herab, das eine Mitbürgerin nahezu 2 Jahrzehnte den Menschen, die dort leben und arbeiten, gemacht hat. Es lässt nicht nur Gemeinwohlinteresse der Akteure vermissen – es ist auch herz- und instinktlos. Und reiht sich ein, in all die zahllosen Geschichten der konsequenten Mißachtung und Herabwürdigung von bürgerschaftlichem Engagement durch Politik und Verwaltung, soweit diese es nicht selbst “inszeniert” hat.
Erlaubt und förderungswürdig ist nur das, was man in Ämtern und Parteibüros und “befreundeten Institutionen” sich ausdenkt, was diese bestimmen und in dem sie die Finger drin und den Daumen drauf behalten können.
Betreutes Putzen, betreutes Pflanzen, betreute “Beteiligungsverfahren” – und dabei dann aber fröhlich vom “mündigen Bürger” schwadronieren, bei jeder passenden und unpassenden Gelegenheit auf dessen Eigenverantwortung verweisen, während man gleichzeitig jedes Bestreben nach Selbstverantwortung vollständig untergräbt.
Schlimmer noch: Hat es dennoch einmal ein Bürger geschafft, etwas selbst auf den Weg zu bringen, sich und seinen Mitmenschen zur Freude, dann bemächtigt man sich seines Wirkens auf alle erdenklichen Arten und entreisst ihm, trick- und listenreich, sein Werk, um sich selbst damit hochglanzbroschürt zu profilieren.
Und noch schlimmer: Ist die Hochglanzbroschüre dann im Altpapier, das mediale Interesse verschwunden, wendet man sich einem neuen “PR-Event” zu, bemächtigt sich der nächsten guten Idee Anderer und hinterlässt, was man eben noch zu fördern vorgab, mittellos in Schutt und Asche. So treibt man die Bürger mehr und mehr in eine aussichtslose, eine hoffnungslose und zornig machende verzweifelte Lage. Die, die guten Willens und voller Engagement und Freude waren, werden so in die innere Emigration getrieben und wenden sich mehr und mehr von einem Staate, einer Verwaltung, einer Politik ab, die ihnen eine ernstzunehmende wirksame demokratische Teilhabe, selbst in den allergeringsten Dingen, vorenthält und jede Bestrebung sich einzubringen, zunichte macht. Man behandelt die Bürger dieses demokratischen Rechtsstaates, als seien sie kleine Kinder, denen man die Welt erst noch erklären müsse.
Die Bürger dieser Republik aber sind längst erwachsen geworden, sie sind lang schon “mündig” Sie leben Demokratie. Sie lieben Demokratie. Doch sie sind “entmündigt.” worden, von jenen, denen sie vertrauensvolle eine Stimme gaben, die ihre Stimme sein sollte.
Es sind die, die sie wählten und die sie regieren, die, die in Ämtern und Verwaltung sitzen sind es, die beharrlich ihr eigenes demokratisches Wachstum verweigern und auf diese Weise die Demokratie insgesamt an einen Abgrund geführt haben, den wir nun alle zu fürchten haben.
Das beharrlich zu leugnen und sich sowohl einer Debatte, als auch der Selbsterkenntnis zu verweigern, verschlimmert unser aller Situation täglich mehr.
Mit diesem Gebaren wurde der Boden bereitet für den unsäglichen “Rechtsruck” und in ihm schlägt er täglich neue Wurzeln.
Und deswegen muss darüber geredet werden, was die Bürger bewegt, es muss alles auf den Tisch und wer sich in Politik und Verwaltung ernsthaft als Demokrat versteht, der darf sich einer solchen Debatte nicht länger verweigern. Auch dann nicht, wenn sie weh tut. Und das wird sie. Was aber Bürgern an Schmerzen auszuhalten auferlegt wurde, das ist auch Politik und Verwaltung zuzumuten. Und muss ihr zugemutet werden.
Wir müssen diese Gespräche, die friedliche Auseinandersetzung, jetzt führen, sonst gehen wir in absehbarer Zeit alle miteinander unter. Und mit uns die Demokratie, die ja doch noch längst nicht an ihrem Ende ist. Sie steht erst ganz am Anfang…

Fofftein.